Kolumbien - das erste Land in Südamerika

 

Bei strömendem Regen verlässt die das Boot, das mich von Capurganá nach Necoclí bringen soll, den Anleger dieses kleinen Ortes am äußersten Rand von Kolumbien. Mein Fahrrad steht diesmal gut verpackt im Heck des Bootes und damit sicher vor Beschädigungen durch anderes schweres Gepäck. Die Fahrt mit dem größeren Boot über die offene Bucht ist vergleichsweise ruhig und auch das schlechte Wetter lassen wir hinter uns. Nach meiner Ankunft mit der „Fähre“ in Necoclí bleibe ich für einen Tag in diesem etwas chaotischen Ort. Der erste Eindruck: Es ist laut! Aus allen Lokalen und Geschäften dröhnt Musik. Wie immer in einem neuen Land, versorge ich mich erst einmal mit der Landeswährung, denn in Capurganá gibt es keinen Geldautomaten und auch die sonst an jedem Grenzübergang präsenten, mit dicken Geldbündeln wedelnden Geldwechsler fehlen hier komplett. Damit verbunden ist auch die Gewöhnung an den neuen Wechselkurs von ca. 1:4000 (Euro zu Pesos). Wie üblich ist der Kurs am Automaten wesentlich ungünstiger als der offizielle Wechselkurs. Essen und Unterkunft sind überraschend gut und im Vergleich zu Panama und Costa Rica auch sehr günstig.

 

 

Ein typisches Bild für viele kleinere Orte in Kolumbien

 

Zwei Tage folge ich der Küste Richtung Süden. Die Strecke ist flach und zu beiden Seiten abwechselnd mit Ananas-, Bananen- und Palmölplantagen oder Rinderfarmen gesäumt. Danach geht es in die Berge – unvermeidlich in Kolumbien, denn das Land wird von drei Gebirgsketten durchzogen. Die Straßen sind hervorragend und die Steigungen auch nicht besonders steil – dafür aber sehr, sehr lang. Es sind nicht die Berge, die mich nach drei Tagen ausbremsen. In Dabeiba muss ich einen Tag Zwangspause einlegen. Ich dachte, Montezumas Heimat liegt in Mexiko, aber seine Rache hat mich bis nach Kolumbien verfolgt (dabei habe ich ihm nichts getan und habe auch sonst keine Erklärung für die Magen-Darm-Verstimmung). In einem schicken und trotzdem sehr günstigen Hotel in dem kleinen Ort hoffe ich, dass das Schlimmste schnell überstanden ist. Tatsächlich dauert es noch einen ganze Weile, bis ich wieder richtig fit bin und mich auch wieder traue, alles zu essen. Trotzdem setze ich am nächsten Tag meine Fahrt fort, plane die Tagesetappen deswegen und wegen der langen Steigungen aber kürzer als üblich.

 

 

 

Die Hauptstraßen hier Kolumbien sind in einem hervorragenden Zustand. Sie gehören mit zu den Besten auf der gesamten Reise – einschließlich USA und Kanada! Das gilt zumindest bis Cali, danach kommt erst einmal eine sehr lange Strecke mit Baustellen, wo die Panamericana vierspurig ausgebaut wird. Weiter im Süden lässt der Verkehr deutlich nach und die Straße ist wesentlich schmaler. Anders als in den meisten Staaten werden die Straßen hier auch sehr gut gepflegt. Es liegt wenig Müll in der Landschaft herum und immer wieder passiere ich Arbeitstrupps, die die Straßenränder pflegen oder einen der vielen Erdrutsche beseitigen, die die Straßen nach schweren Regenfällen immer wieder blockieren. Selbst massive Betonarmierungen werden einfach mitgerissen.